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Autor: Betreff: Memento

Administrator





Beitršge: 12
Angemeldet: 7.1.2002
Status: Offline

  erstellt am: 20.1.2002 um 15:07
FilmWolf hat zu Memento eine Filmkritik geschrieben. Er hat dazu auch Filmbilder erstellt.

Hier kannst du deine Meinung dazu (zum Film selbst, oder zur Filmkritik von FilmWolf) schreiben. Klicke einfach auf Antworten.[Bearbeitet am: 24/1/2002 von admin]

[Editiert am 30.11.2004 von walt]

____________________
  • Verleihe Kind und Schwertkraft - Itto Ogami
     
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    Administrator




    Beitršge: 283
    Angemeldet: 8.1.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 24.1.2002 um 14:01
    Es gab in der deutschen Medienlandschaft einige Autoren, die sich intensiver als andere mit diesem Film beschäftigt haben. Hier ein paar Leseempfehlungen:

  • Sinn stiftende T√§towierungen
    (Andreas Busche in der "taz" vom 13.12.2oo1)

  • Memento
    (Thomas Schloemer im "Filmspiegel")

  • Memento
    (R√ľdiger Suchsland in "der Schnitt")

    ____________________
  • Das Recht auf ein gescheitertes Leben ist unanatastbar! (Am√©lie Poulain)
     
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    Administrator




    Beitršge: 283
    Angemeldet: 8.1.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 24.1.2002 um 14:04
    Versuch einer Interpretation / Auflösung

    Andy Klein hat auf salon.com den bislang umfangreichsten Versuch unternommen, die R√§tsel des Filmes zu entschl√ľsseln. Leider pr√§sentieren seine Annahmen auch keine letztendliche Aufl√∂sung dieser verzwickten Geschichte, wie man sich w√ľnschen w√ľrde.

  • Everything you wanted to know about Memento

    Was beschäftigt euch am meisten, bzw. welche Lösungsansätze habt ihr?

    ____________________
  • Das Recht auf ein gescheitertes Leben ist unanatastbar! (Am√©lie Poulain)
     
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    Posting Freak



    Beitršge: 22
    Angemeldet: 7.1.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 24.1.2002 um 14:05
    Versuch einer Interpretation / Auflösung

    ** ACHTUNG SPOILER **

    David Lynch-mäßig sage ich da ...

    Wenn " I have done it" auf seiner Brust steht, dann frage ich "WAS soll er denn getan haben?"

    Wenn er sie getötet hat, dann kann sie nicht neben ihm liegen und seine Brust streicheln.

    Der Kritiker von Salon schreibt sehr gut ... und naiv .. meine ich. Die Umsequenzierung habe ich sofort gecheckt, das ist kein großartiger Kunstgriff von Nolan.

    Wahrnehmung oder Esse est percipi (= Sein ist Wahrgenommen werden): Interessant ist zum Ersten, dass Nolan behauptet es gäbe EINE Wahrheit zu diesem Film ("Nolan, for his part, won't tell. When asked about the film's outcome, he goes on about ambiguity and subjectivity, but insists he knows the movie's Truth -- who's good, who's bad, who can be trusted and who can't -- and insists that close viewing will reveal all."), jedoch die Kritiker auf der der Vielfalt der Interpretationen - mehereren Wahrheiten - bestehen.

    Eigentlich ist das normal: die Wahrheit eines Kunstwerkes ist immer EINE, insofern als sie einem Konzept, einer Idee entspringt und dementsprechend entfaltet und entwickelt wird.

    Aber sie ist immer vielfältig, weil dieses Konzept unterschiedlich perzepiert/wahrgenommen (Schritt 1), analysiert (Schritt 2) und schließlich wieder zusammengesetzt/interpretiert (Schritt 3) wird.
    Da hilft es nichts, darauf hinzuweisen, dass man - wie Nolan uns auffordert - nur genau genug hinsehen m√ľsse. Wir √úBERsehen die f√ľr die EINE Wahrheit entscheidenden Szenen einfach, entweder weil sie nicht gut/ausreichend genug vom Autor filmisch codiert wurden oder weil unsere Wahrnehmung selbst nicht daf√ľr geeignet ist (falsche oder festgefahrene Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten).

    Zweitens ist dies sicherlich ein Film √ľber Erinnerung und Ged√§chtnis und deren red herrings (Ablenkungsman√∂ver).
    Deswegen stellt sich grundsätzlich die Frage, ob man allem Gezeigten auch trauen kann, vor allem, wenn es sich eben um die Erinnerungen von Leonard dreht.

    Radikal wäre es alles als Chimäre, als Ausgeburt eines kranken Hirns abzutun, aber zu einfach, weil wir dann alles nach einem "Anything goes" so zusammenstöpseln können, wie es uns gefällt. Als Leonards Psychiater trennen wir Wahrheit von Wahn und reimen uns einen Plot zusammen.

    Radikal auf entgegengesetzten Seite w√§re es, die ganze Geschichte als aberwitzig-strategischen Master-Plan eines rachs√ľchtigen Typen abzutun, der alle hinter dem perfekten Schleier eines "Zustands" benutzt.

    Der Film zwingt uns, Fakten von Fiktion zu trennen und so vorzugehen, als ob wir Erinnerungen, ja unserer Wahrnehmung nicht trauen d√ľrfen. Wir m√ľssen uns dabei auf Wahrscheinlichkeiten verlassen, einmal mathematische und zum anderen plausible, auf Lebenerfahrung beruhende - das klassische Gesch√§ft .... eines Versicherungsagenten.

    Die Ermordung seiner Frau durch Insulin ist unentschieden, wird zwar gedeckt durch einen Flashback, aber auch durch den n√§chsten aufgehoben, abgesehen davon, dass er sich eben an ein Ereignis danach erinnern m√ľsste.
    Die Bettszene mit seiner Frau neben ihm und em "I have done it" auf der Brust ist auch ein Flashback, kann aber wiederum nicht sein, da auch auf seiner Brust das "John G. raped and MURDERED my wife" zu lesen steht (ich denke jedenfalls, es erkannt zu haben).

    Wir wissen noch nicht einmal, ob seine Frau wirklich noch lebt, weil der Flashback der mit den Augen blinzenden im Badevorhang eingepackten Frau erstens NACH dem Unfall liegt und zweitens nicht sicher ist, wer da drinnen wirklich eingewickelt ist.

    Was bleibt ist ein Typ, der drei Typen kaltmacht, einen feinen Zwirn trägt und einen flotten Wagen mit 200 Riesen im Kofferraum Spazieren fährt ... ein echter Gewinner.

    Was auch feststeht ist, dass er offensichtlich zwei Leben gef√ľhrt hat/f√ľhrt: als Versicherungsagent und als R√§cher.

    Wo ist der Link: ich denke, es ist das erste Foto, welches ihn blutverschmiert zeigt. Die Aufnahme des Fotos muss vor der gezeigten Filmzeit liegen, da NICHT geziegt, wie und wo es geschossen wurde, w√§hrend die Aufnahme aller anderen Fotos immer sch√∂n abgefilmt wird. Dar√ľber sagt Teddy, dies h√§tte er aufgenommen, nachdem er den Tod seiner Frau ger√§cht h√§tte.
    Wer ER? Leonard oder Teddy? War Teddy dabei als er die Rachetat ver√ľbte und hat ihn fotografiert? Ich sage nur, keine Ahnung, ob Teddy die Wahrheit sagt. Ist auch nicht entscheidend.

    Essentiell ist aber: warum ist dieses Bild nicht beschriftet und warum verbrennt es Leonard danach im Pickup? Warum verbrennt er einer seiner lebenswichtigen Erinnerungsmaterialien?
    Sicher nicht, um Beweise f√ľr einen Rachemord zu vernichten (gerade die dokumentiert er ja aufs Genaueste).

    F√ľr mich steht damit fest, dass der Typ eine wichtige Erinnerung ausl√∂schen will, ja sogar an dem leidet, was er Sammy andichten wollte: einer psychischen und NICHT physischen retrograden Amnesie. Seine Krankheit ist die Ursache daf√ľr, dass er irgendetwas verdr√§ngen will.

    Den Mord an seiner Frau? Oder die Schuld am Mord Sammys an seiner Frau? Oder beides?

    Danach zu suchen, werde ich mir bei einem weiteren Kinobesuch vornehmen.

    Ein echtes Highlight dieser Film ... geht herum wie ein M√ľhlrad.

    Best regards,
    FilmWolf

    ____________________

     
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    Administrator




    Beitršge: 283
    Angemeldet: 8.1.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 24.1.2002 um 14:11
    Versuch einer Interpretation / Auflösung

    quote:
    Wenn " I have done it" auf seiner Brust steht, dann frage ich "WAS soll er denn getan haben?"
    Wenn er sie getötet hat, dann kann sie nicht neben ihm liegen und seine Brust streicheln.
    Ja ja, schon, aber ist das Tatsache was du gesehen hast? Oder war es nur Einbildung eines "verwirrten Geistes", der vielleicht nur Erinnerungsfetzen falsch zusammensetzt...? Aber das bemerkst du weiter unten ja selbst. Seltsam finde ich ja auch, wie er sich √ľberhaupt daran erinnern kann, das er Rache am Mord seiner Frau nehmen will. Welches Indiz ist ihm dabei hilfreich? Das Tatoo "Remember Sammy"? Was hat es zu bedeuten, welche Rolle spielt Sammy? Oh Mann... ;)

    quote:
    Da hilft es nichts, darauf hinzuweisen, dass man - wie Nolan uns auffordert - nur genau genug hinsehen m√ľsse. Wir √úBERsehen die f√ľr die EINE Wahrheit entscheidenden Szenen einfach, entweder weil sie nicht gut/ausreichend genug vom Autor filmisch codiert wurden oder weil unsere Wahrnehmung selbst nicht daf√ľr geeignet ist (falsche oder festgefahrene Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten).
    Sehr interessanter Aspekt; hilft er einem zu versuchen sich erstmal nur auf die tats√§chlichen Fakten zu besinnen, um dann davon ausgehend per Ausschlussverfahren die unlogischen Enden wegzulassen. M√ľsste letztendlich zur L√∂sung f√ľhren...

    quote:
    Der Film zwingt uns, Fakten von Fiktion zu trennen und so vorzugehen, als ob wir Erinnerungen, ja unserer Wahrnehmung nicht trauen d√ľrfen. Wir m√ľssen uns dabei auf Wahrscheinlichkeiten verlassen, einmal mathematische und zum anderen plausible, auf Lebenerfahrung beruhende - das klassische Gesch√§ft .... eines Versicherungsagenten.
    Auch sehr interessanter Ansatz. Allerdings gibt es selbst dort immer auch bestimmte fixe Fakten: jemand ist tot, er ist auf eine bestimmte Art und Weise zu Tode gekommen. Aber selbst das ist hier nicht ganz klar; sofern man seiner Wahrnehmung hier √ľberhaupt nicht mehr glauben w√ľrde. Also die Annahme, er h√§tte seinen Ged√§chtnisverlust auch so erlitten, etc... war das wirklich so, oder hat ihm das nur jemand eingeredet? Wie kommt es z.B. dazu, das so ein Typ frei ruml√§uft und am laufenden Band alle m√∂glichen J.G's abmurkst? Ist er vielleicht aus der Klappse ausgebrochen, hat das jemand instruiert um ihn als 'Mordwaffe' benutzen zu k√∂nnen? Ach ja, denkbar w√§r da noch so vieles...

    quote:
    Die Bettszene mit seiner Frau neben ihm und em "I have done it" auf der Brust ist auch ein Flashback, kann aber wiederum nicht sein, da auch auf seiner Brust das "John G. raped and MURDERED my wife" zu lesen steht (ich denke jedenfalls, es erkannt zu haben).
    Ich sch√§tze mal, wir m√ľssen den Film mal in Ruhe in seine Einzelteile auseinanderklab√ľstern. Die dt. DVD erscheint Anfang April. Vielleicht ergibt sich dann ja mal ein "memento-R√§tselabend" mit mehreren Leuten. W√§r doch gelacht wenn man das nicht irgendwie l√∂sen k√∂nnte... ;))

    quote:
    Was bleibt ist ein Typ, der drei Typen kaltmacht, einen feinen Zwirn trägt und einen flotten Wagen mit 200 Riesen im Kofferraum Spazieren fährt ... ein echter Gewinner.
    He he, stimmt eigentlich. So hab ich's noch gar nicht betrachtet! ;)

    quote:
    Wo ist der Link: ich denke, es ist das erste Foto, welches ihn blutverschmiert zeigt.
    ...
    Essentiell ist aber: warum ist dieses Bild nicht beschriftet und warum verbrennt es Leonard danach im Pickup? Warum verbrennt er einer seiner lebenswichtigen Erinnerungsmaterialien?
    Sicher nicht, um Beweise f√ľr einen Rachemord zu vernichten (gerade die dokumentiert er ja aufs Genaueste).
    Vielleicht ist es sein einziger Lebenssinn, Rache zu √ľben? Durch die Vernichtung der Beweise macht er sein Kurzzeitged√§chtnis wieder frei f√ľr die n√§chste Bew√§ltigung - ein Perpetuum mobile der Rache - sinnlos wie die Rache selbst, wunderbar aufgezeigt....

    quote:
    Seine Krankheit ist die Ursache daf√ľr, dass er irgendetwas verdr√§ngen will.
    Hm, na ja, er hat den Verlust eines geliebten Menschen nicht verkraftet, und is ausgetickt. Insofern verdr√§ngt er den Verlust mit der krankheit. W√ľrde Sinn machen, ist aber leider auch nur ein kleines Bausteinchen der ganzen Geschichte. Wie passen dann die anderen Protagonisten hinein?

    quote:
    Ein echtes Highlight dieser Film ... geht herum wie ein M√ľhlrad.
    Und wie!! Bin auch schon ganz wirr im Kopp... ;)

    ____________________
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    Posting Freak



    Beitršge: 84
    Angemeldet: 29.1.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 29.1.2002 um 21:14
    erstmal m√∂chte ich allen MEMENTO Fans den Film HEAVEN von Scott Reynolds ans Herz legen, hat zwar nicht ganz die gr√∂sse von MEMENTO, aber war fr√ľher da und ist auch sehr verzwickt was Handlung und Zeitebenen angeht.
    So, jetzt zu meiner bescheidenen Theorie, die vielleicht Quatsch ist, aber das hab ich mir seinerzeit zusammengereimt (die ganzen links zu irgendwelchen Filmkritikern hier hab ich mir nicht durchgelesen, vielleicht steht da ja was ähnliches, vielleicht laber ich hier auch nur Stuss, wer weiss das schon...):
    Leonard hat bei dem √úberfall auf seine Frau eins √ľbergebraten bekommen und daraufhin sein Kurzzeitged√§chtniss verloren. Seine Frau √ľberlebte. Sie starb erst sp√§ter, als Sie sich von ihm das Insulin spritzen liess (was er auf den Fall "Sammy" projeziert, den es wohl gab, aber eben ohne den Insulin Zwischenfall). Das er seine Frau get√∂tet hat, weiss er nicht mehr, aber wohl, das Sie √ľberfallen wurde und das er dabei auch verletzt wurde und sein Kurzzeit Ged√§chtniss dabei verlor. √úberfall + Tote Frau= Rache an vermeindlichem M√∂rder, zumindest wenn man sich nicht so recht erinnern kann. Der Polizist Teddy hilft ihm bei der M√∂rdersuche und schickt ihm auf die f√§hrte eines Dealers. Diesen bringt Leonard um und Teddy macht das Foto. In der letzten Szene sehen wir, wie Teddy zu Leonard sagt, das er den M√∂rder bereits get√∂tet hat, Leonard will das aber nicht wahrhaben, weil sein einziger Lebensabtrieb die M√∂rdersuche ist. Er glaubt, das Teddy ihn nur benutzt, um Dealer zu ermoden. Also verbrennt er das "Beweis Foto" und schreibt unter das Foto von Teddy "don¬īt believe his lies", er macht sich also Teddy ganz bewusst zum Feindbild, auf das er Jagd machen kann. Die Frau des toten Dealers benutzt Leonard wiederum um sich an dem korupten Bullen zu r√§chen, der ihren Mann auf dem gewissen hat: Teddy. Sie l√§sst Leonard das Kennzeichen von Teddy zukommen, dies ist der letzte Beweis, den Leonard ben√∂tigt, um sich zu entschliessen Teddy zu ermorden. Leonard hat im Auftrag von Teddy den Dealer ermordet, die Frau des Dealers gibt Leonard quasi den Auftrag Teddy zu ermorden (die Spielchen in der Bar und das "sich auf die Backe schlagen lassen und hinterher sagen, es war ein anderer" zeigen, das Sie sehr gut im manipulieren ist).
    Ufffff, kann das jetzt jemand nachvollziehen???
    Je mehr ich schreib, desto weniger weiss ich wovon. Naja - einen Versuch wars wert.

     
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    Administrator




    Beitršge: 283
    Angemeldet: 8.1.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 30.1.2002 um 07:48
    quote:
    erstmal m√∂chte ich allen MEMENTO Fans den Film HEAVEN von Scott Reynolds ans Herz legen, hat zwar nicht ganz die gr√∂sse von MEMENTO, aber war fr√ľher da und ist auch sehr verzwickt was Handlung und Zeitebenen angeht.
    Hm, klingt interessant. Kennst du mehr von diesem Regisseur? Er hatte vor Heaven schon The Ugly und A Game with no rules gemacht, was allesamt recht 'intelligent' gemachte Thriller zu sein scheinen... werd den Kerl mal im Auge behalten, danke f√ľr den Tip!

    quote:
    So, jetzt zu meiner bescheidenen Theorie, die vielleicht Quatsch ist, aber das hab ich mir seinerzeit zusammengereimt
    ...
    Ufffff, kann das jetzt jemand nachvollziehen???
    Aber hallo! Klingt sehr schl√ľssig und plausibel. Muss ihn mir mit deiner Erkl√§rung der Story direkt nochmal anschauen.

    Aber wie kommst du darauf das Lenny seiner Frau die tödliche Insulinspritze verpasst hat? Nur wegen dem kurzen Flashback? Und warum hätte er das tun sollen, aus Versehen?

    ____________________
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    Posting Freak



    Beitršge: 84
    Angemeldet: 29.1.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 30.1.2002 um 17:12
    THE UGLY ist ein recht ordentlicher Serial Killer Film, der aber den Schwerpunkt eher auf die Verh√∂hr Szenen legt und sich nicht in reisserischer Polzei Action √ľbt. Sehr d√ľster und manchmal auch hart, mit einigen tollen √úberblenden, wenn es von dem Verh√∂rsaal gradewegs zu den Flashbacks der Morde geht. Zwar merkt man deM Film seine Lowbudget Herkunft an, aber auf jeden Fall einen Blick wert. A GAME WITH NO RULES ist ein unterhaltsamer Kurzfilm, der auch aus dem Thriller/Film Noir Genre stammt, war mal auf irgendsonem kompilation Tape aus New Zealand.
    Aber zur√ľck zu MEMENTO:
    Das er seiner eigenen Frau das Insulin gespritzt hat, sagt ihm Teddy am Ende (also eigentlich am Anfang) des Films, der Schluss stellt sowieso irgendwie nochmal alles auf dem Kopf und man möchte gradewegs den Film nochmal von vorne sehen.
    In einem Interview sagte der Regisseur, das die Scenen mit Sammy eigentlich nur dazu dienen, zu erkl√§ren, das Leonard so gut √ľber seine eigene Krankheit bescheid weiss. Er erinnert sich ja an alles, was vor dem "Vorfall" geschah, und weis also noch von dem von ihm betreuten Versicherungsfall "Sammy" √ľber die Krankheit, die er nun selber hat. Schon ein toller Zufall, aber so ein Drehbuch logisch klingen zu lassen bedarf wohl manchmal der Brechstange. Das Leonard dann anf√§ngt die Geschicht von Sammy nach seinen W√ľnschen weiterzuspinnen und dabei gleichzeitig seine Schuld am Tod seiner eigenen Frau leugnet, l√§sst sich wohl mit seinem extremen psychischem zustand erkl√§ren, der Mensch ist eh Meister im verdr√§ngen, ein psychisch Kranker sowieso...
    Die Frage ist nur, wie er wissen kann, das er f√ľr den Tod seiner Frau verantwortlich ist, da er ja wohl zu dem Zeitpunkt schon kein Kurzzeitged√§chtnis mehr hatte??? Vielleicht schlummert im Unterbewusstsein sowas wie ein Schuldbekenntniss, das er aber mannhaft unterdr√ľckt. Egal, mann muss ja nicht alles erkl√§ren...

     
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    Posting Freak



    Beitršge: 22
    Angemeldet: 7.1.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 31.1.2002 um 03:58
    quote:

    Das er seiner eigenen Frau das Insulin gespritzt hat, sagt ihm Teddy am Ende (also eigentlich am Anfang) des Films, der Schluss stellt sowieso irgendwie nochmal alles auf dem Kopf und man möchte gradewegs den Film nochmal von vorne sehen.


    Gl√ľckwunsch zu deiner Interpretation, die eine echt gute Analyse dessen ist, was da √ľberhaupt abgeht. Ich denke auch, dass Leonards Begleiter im Film ihn immer nur benutzen wollen, indem sie seinen Zustand ausnutzen.

    Interessant ist nur, dass sie das am Ende alle nicht schaffen und/oder mit dem Tod daf√ľr bezahlen. ...und Lenny f√§hrt immer noch den dicken Wagen mit der Kohle im Kofferraum)

    Was ich sagen will ist, dass dieser Typ, der so unscheinbar und hilflos wirkt, echt allg.gef√§hrlich ist, weil er trotz Supersystem von Aufzeichnungen, Tatoos und Notizen am Ende immer bliindw√ľtig reagiert. Der Typ ist echt asozial. Und er macht es sich auch recht einfach: anstatt nach Personen seines Vertrauens aktiv zu suchen, l√§√üt er sich mit Fremden zweifelhaften Rufs ein und wittert √ľberall Verdacht. Man muss das, glaube ich, auf seinen allg. psychischen Zustand schieben, der ihm auch einen kostenlosen Aufenthalt im Irrenhaus eingebracht hat. Solche Charaktere sind manisch.


    Wenn wir mal sammeln, ob Leonard am Tod seiner Frau Schuld ist haben wir auf der Ja-Seite:
  • er hat einen Flashback (Szene, in der er seiner Frau das Insulin spritzt
  • er hat eine Halluzination (Szene, in der mit seiner Frau auf dem Bett liegt und dort auf seiner Brust "I Have done it" steht.
  • Teddy sagt es ihm
  • die Sammy-Geschichte ist ne klare Projektion vielleicht seiner Schuld
  • Zuzustrauen ist es ihm nach dem Attentat

    Auf der Nein-Seite:
  • seiner Erinnerung ist nicht zu vertrauen (andere Szene, in der seine Frau nur zwickt). Dies ist um so mehr der Falls, als die Insulinsache nach dem Anschlag auf ihn und seiner Frau stattfindet. Aber selbst wenn sie vorher stattfindet, dann ist nach seinen eigenen Aussagen "der Erinnerung nicht zu vertrauen".
  • Teddy ben√ľtzt ihn nur, um an die Kohle zu kommen, ist also ein keineswegs vertrauensw√ľrdiger Zeuge.
  • die Sammy Story kann eine Projektion f√ľr alles M√∂gliche sein, nicht nur seiner Schuld


    quote:

    Die Frage ist nur, wie er wissen kann, das er f√ľr den Tod seiner Frau verantwortlich ist, da er ja wohl zu dem Zeitpunkt schon kein Kurzzeitged√§chtnis mehr hatte??? Vielleicht schlummert im Unterbewusstsein sowas wie ein Schuldbekenntniss, das er aber mannhaft unterdr√ľckt. Egal, mann muss ja nicht alles erkl√§ren...


    Wissen tut er es ja nicht. Wissen m√ľsste sich ja auf eine gesicherte Erinnerung st√ľtzen (=aktiv) und die hat er nicht.

    Aber er kann damit konfrontiert werden (passiv) durch
  • andere Personen
  • v√∂llig d'accord mit dir: durch sein Unterbewu√ütsein.
  • sein Langzeitged√§chtnis, was ja nicht im Arsch ist.

    Demnach w√ľrden die Ereignisse des Todes seiner Frau eben kangsam wieder an die Oberfl√§che kriechen.

    Aber selbst,wenn alles nach dem Attentat einfach aktiv wech ist: Das Interessante ist nur, dass er nach diesen Ereignissen keine Erinnerungsst√ľcke in sich findet, die mit den Erz√§hlungen oder den Flashbacks oder Hallus √ľbereinstimmt, also wo er sagen k√∂nnte: "A ja, jetzt WEISS ich es wieder".

    Ich meine, wir kennen das ja auch aus dem Alltagsleben:

    1. wir haben ein aktives Gedächtnis: wir erzählen bestimmte Dinge von selbst aus der Erinnerung ganz frisch von der Leber weg
    2. wir haben ein passives Ged√§chtnis mit echten Inhalten: ein anderer erz√§hlt uns etwas und wir erinnern uns "pl√∂tzlich" wieder daran ("Jaja genau!"). Das Ereignis ist pl√∂tzlich wieder voll pr√§sent, also ob wir nur einen Schl√ľssel gebraucht h√§tten, um das irgendwo abgelegte Ged√§chtnisst√ľck zu finden.
    3. wir haben ein passives Ged√§chtnis mit den ber√ľhmten Erinnerungsfetzen: ein anderer erz√§hlt uns etwas und wir k√∂nnen uns nur schemenhaft an das Erz√§hlte erinnern. Wir sagen dann so etwas wie "Ja, schon, aber war es doch nicht auch so, aber eigentlich wei√ü es nicht mehr genau".
      In einem solchen Fall trifft das Erz√§hlte auf keine stimmigen, also ein Ganzes ergebenden Ged√§chtnisinhalte, sondern nur auf Teile. Dann sind wir auch sehr skeptisch gegen√ľber den Erz√§hlungen anderer, was die Details anebetrifft: wir nicken zwar, aber so recht GLAUBEN k√∂nnen wir die Einzelheiten nicht. Wir k√∂nnen eigentlich nur best√§tigen, dass da "etwas war".
    4. wir haben gar kein Ged√§chtnis an ein Ereignis: klassischerweise bei den bekannten Erz√§hlungen der Eltern/Gro√üeltern √ľber unsere Kindheit. Sie erz√§hlen frisch von Leber weg und wir schmunzeln uns einen, haben aber null Erinnerung daran. Unsere Eltern k√∂nnten uns alles erz√§hlen und w√§ren es nicht unsere Eltern, w√ľrden wir es sowieso erstmal bezweifeln.

      Leonards Ged√§chtnis denke ich liegt so bei 4 mit zwischenzeitlichen Tendenzen zu 3. Das hei√üt nicht unbedingt, dass sein Zustand besser w√ľrde, es hei√üt nur, dass dieser Zustand nicht ganz so extrem ist, wie jeder annehmen m√∂chte. Er meint zu wissen, dass "da etwas war", hat aber keine stimmige Erinnerung daran. Erst als Teddy ihm davon erz√§hlt, er habe seine Frau mit einer √úberdosis Insulin get√∂tet, wird ein Erinnerungsfetzen in ihm nach oben gesp√ľlt. Da er sich aber nicht an die ganze Story erinnern kann, also eine logische Kette der Ereignisse aus seinem Ged√§chtnis pulen kann, wird dieser Erinnerungsfetzen gleich wieder hinterfragt (seine Skepsis halt) durch einen anderen, inder er seine Frau nur zwickt.

      So geshen ist die Frage, ob er der Mörder seiner Frau ist , objektiv ungeklärt, wird jedoch durch die Szenenfolge "Erzählung Teddy" => "Erinnerungsfetzen Insulinspritze" => Widerspruch gegen Teddy => "Erinnerungsfetzen Zwicken" nahegelegt.
      Daf√ľr spricht auch, dass diese Szene fast am Schluss steht, also die Aufkl√§rungsszene sein soll. Hier soll uns gesagt werden, wer denn der M√∂rder seiner Frau ist.

      Servus Wolfgang
      [Bearbeitet am: 31/1/2002 von filmwolf]

       
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    Beitršge: 283
    Angemeldet: 8.1.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 31.1.2002 um 18:42
    Also ich freu mich richtig das dieser 'Fall' nun aufgekl√§rt scheint, und kann's kaum erwarten den Film nochmal anzuschauen. Danke dir 'Rebenschere' f√ľr die klare Interpretation!

    Aber sach mal, wie kommt man auf diesen Namen 'Rebenschere'? Bist du Winzer?

    ____________________
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