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Autor: Betreff: Sex, Violence, Language

Administrator





Beitršge: 283
Angemeldet: 8.1.2002
Status: Offline

  erstellt am: 7.5.2002 um 10:50
Zum Einstieg gleich mal ein sehr interessanter Satz aus einem Text zur 'freiwilligen' Selbstkontrolle im amerikanischen Kino:

Denn sowohl die Ratings als auch diese Bekenntnisse sind nichts weiter als das ver√∂ffentlichte schlechte Gewissen von Gesellschaften, die ihren angeblichen Werten und dem Guten √ľberhaupt schon gerne folgen w√ľrden, aber nur virtuell gegen das B√∂se antreten, weil es im wirklichen Leben so √ľberaus n√ľtzlich ist.

Sex, Violence, Language
Marcus Hammerschmitt / 05.05.2002
√úber freiwillige Selbstkontrolle im amerikanischen Kino und Schwierigkeiten bei der Standardisierung der Pr√ľderie
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/12469/1.html


____________________
  • Das Recht auf ein gescheitertes Leben ist unanatastbar! (Am√©lie Poulain)
     
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    Posting Freak



    Beitršge: 26
    Angemeldet: 25.3.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 12.5.2002 um 08:46
    Das ist dann doch ein bisschen sehr vereinfachend. Dass die amerikanische Gesellschaft stark zur Doppelmoral neigt, ist ja nichts Neues. Ob wir Europäer da allerdings immer so unantastbar sind, möchte ich mal bezweifeln. In dieser Argumentation wären alle Gesetze Ausdruck dieses schlechten Gewissens.
     
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    Administrator




    Beitršge: 283
    Angemeldet: 8.1.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 14.5.2002 um 08:15
    quote:
    Das ist dann doch ein bisschen sehr vereinfachend. Dass die amerikanische Gesellschaft stark zur Doppelmoral neigt, ist ja nichts Neues. Ob wir Europäer da allerdings immer so unantastbar sind, möchte ich mal bezweifeln.
    Da stimme ich dir zu, gerade nach den Vorf√§llen in Erfurt erwarte ich besonders in D nichts Gutes. Nachdem die letzten Jahre eine z√∂gerliche Lockerung der doch sehr rigiden deutschen Jugendschutzbestimmungen, gerade bez√ľglich dem Film, erkennbar war (sch√∂n zu sehen an den unterschiedlichen Altersfreigaben von Filmen in diversen L√§ndern: The Big Lebowski in UK+USA ab 18, in D in derselben Version ab 12 Jahren), ist ja hier vor kurzem der neuentwurf des Jugendschutzgesetzes vorgestellt worden. Darin vorgesehen ist u.a. auch eine drastische Verk√ľrzung des Indizierungsverfahrens. Das wirft Deutschland wieder um Jahrzehnte zur√ľck

    quote:
    In dieser Argumentation wären alle Gesetze Ausdruck dieses schlechten Gewissens.
    Der Autor hat eben √ľber die Zust√§nde in den USA geschrieben; das fand ich halt interessant. Und er zeigt in dem Artikel sehr deutlich die Auswirkungen einer allgemein verbreiteten Bigotterie auf das Rating von Filmen.

    ____________________
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    Posting Freak



    Beitršge: 26
    Angemeldet: 25.3.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 14.5.2002 um 19:41
    quote:
    Der Autor hat eben √ľber die Zust√§nde in den USA geschrieben; das fand ich halt interessant. Und er zeigt in dem Artikel sehr deutlich die Auswirkungen einer allgemein verbreiteten Bigotterie auf das Rating von Filmen.


    Das die Amerikaner ein bigottes Volk sind, ist ja weiss Gott keine neue Erkenntnis. Aber letztlich kann ich dazu eigentlich ich nur sagen: is mir wurscht, ich leb ja nicht dort. Ich spreche niemandem das Recht ab, die USA zu kritisieren, und ich selbst w√§re der Letzte, der behaupten w√ľrde, dass es dort nichts zu kritisieren g√§be; die derzeitige Mode bei allem und jedem auf die USA einzupr√ľgeln kotzt mich aber an. Es ist immer so einfach und praktisch, wenn man einen S√ľndenbock hat und klar sagen kann, wer denn gerade der B√∂se ist.

     
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    Administrator




    Beitršge: 283
    Angemeldet: 8.1.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 19.5.2002 um 12:08
    quote:
    Aber letztlich kann ich dazu eigentlich ich nur sagen: is mir wurscht, ich leb ja nicht dort.
    Das ist nat√ľrlich jedem seine gutes Recht. Wenn man sich aber nicht darum k√ľmmert, was ein Land mit einem weltweit sehr grossen Einfluss auf viele L√§nder so anstellt, braucht man sich nachher nicht wundern, warum alles so kam wie es kam. Was ich damit sagen will ist, je gr√∂sser die weltweite Bedeutung eines Landes, desto genauer sollte man hinschauen.

    quote:
    die derzeitige Mode bei allem und jedem auf die USA einzupr√ľgeln kotzt mich aber an. Es ist immer so einfach und praktisch, wenn man einen S√ľndenbock hat und klar sagen kann, wer denn gerade der B√∂se ist.
    Das klingt sehr trotzig, verletzt. Egal, du hast deine Gr√ľnde daf√ľr. Nur mach nicht den Fehler und sehe das als reine Modeerscheinung an. Es ist durchaus berechtigt das viele die USA nun wesentlich kritischer sehen, treten sie doch seit dem 11. September wesentlich deutlicher auf der Weltb√ľhne in Erscheinung.

    Du darfst auch nicht vergessen, so simpel das klingen mag, dass die USA f√ľr viele L√§nder einen Vorbildcharakter haben (aus den verschiedensten Gr√ľnden heraus, meistens geht's aber um Geld und Subventionen). Bei dem momentanen Grossmachtsgebahren halte ich das f√ľr sehr gef√§hrlich.

    Aber vielleicht erkl√§re ich hier noch kurz meine ambivalente Einstellung zu den USA. Ich bin in den 80ern in eine Atmosph√§re der totalen Abneigung gegen√ľber den USA hineingewachsen. Gr√ľnde sie zu hassen gab es genug, v.a. aber die Bedrohung durch die Stationierung von atomaren Sprengk√∂pfen war sehr deutlich zu sp√ľren (einen sehr guten Eindruck dieser Stimmung bietet √ľbrigens der Anfang des Films "23", das war f√ľr mich ain totales deja vu). Dieses Land wurde also in jeder Hinsicht abgelehnt, das war PC damals.

    Bis irgendwann 1998, da habe ich Buffalo '66 von Vincent Gallo im Kino gesehen, und mir wurde schlagartig klar, das es sehr wohl Amerikaner gibt die diesem 'Feindbild' ganz und gar nicht entsprechen. Es hätte sicherlich 1000 andere Möglichkeiten gegeben dies zu entdecken, bei mir war es halt dieser Film. Von da an hat sich bei mir das Interesse entwickelt, dieses doch so einflussreiche Land selbst zu entdecken. Ich wollte hinter die Kulissen blicken, und mich nicht weiter nur mit einem Abbild eines Klischees zufriedengeben.

    Seither habe ich dieses Land oft bereist, viele Menschen und Meinungen kennengelernt, und glaube nun es ann√§hernd zu verstehen. Das hat aber nichts an meiner sehr kritischen Einstellung diesem Land gegen√ľber ge√§ndert, ganz im Gegenteil.

    ____________________
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    Posting Freak



    Beitršge: 26
    Angemeldet: 25.3.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 19.5.2002 um 16:18
    Wir sind ja nun ein bisserl vom Thema abgekommen, aber was soll's. Ich habe einfach eine Allergie gegen allzu simple Erkl√§rungsmuster, und die momentane Anti-Amerikastimmung scheint mir oft auch aus einem Minderwertigkeitsgef√ľhl zu kommen. Gerade erst vorgestern Abend bei einer Party begann jemand ausf√ľhrlich zu erkl√§ren, dass der Mittelmeerraum eigentlich die Wiege der Kultur sei, und dass die USA ein grosses k√ľnstliches Disney-Land sei. Ist ja sch√∂n, wenn man sich auf ein paar Tausend Jahren europ√§ischer Geschichte ausruhen kann, nur, was hat er eigentlich dazu beigetragen? Ist diese unglaubliche Arroganz in irgendeiner Form berechtigt? Kann ich was daf√ľr, dass ich in Europa lebe?

    Es stimmt: die amerikanische Politk ist egoistisch und oft r√ľcksichtslos. Die USA sind die Weltmacht Nr. 1. Im Zeichen von Coca Cola, McDonalds und Disney findet ein unglaublicher Kulturimperialismus statt. Aber wessen Schuld ist das eigentlich? Niemand zwingt uns dazu, "Star Wars" im Kino anzusehen oder Levi's-Jeans zu kaufen. Und ist es wirklich das Problem der Amerikaner, wenn die EU keine einstimmige Aussenpolitik auf die Reihe kriegt? (Ich spreche hier von Europa, mit armen Drittweltl√§ndern ist es was anderes. Aber auch da haben sich die Europ√§er nicht immer mit Ruhm bekleckert).

    Ich vereinfache hier bewusst, aber ich bin ziemlich sicher: wenn es europ√§ische Filmstudios geschafft h√§tten, sich weltweit so zu positionieren, dass in allen Kinos der Welt "Der Schuh des Manitu" zu sehen ist, w√§ren sie auch nicht ungl√ľcklich dar√ľber. Und die EU-Aussenminister sehnen sich nach nichts mehr, als so viel Einfluss in der Welt zu haben wie die USA.

    Und nochmal: das amerikanische Rating-System ist mir tatsächlich egal, denn in Europa sind ja oft genug andere Fassungen der Filme zu sehen.

     
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    Administrator




    Beitršge: 283
    Angemeldet: 8.1.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 26.5.2002 um 13:11
    quote:
    Wir sind ja nun ein bisserl vom Thema abgekommen, aber was soll's.
    Eben, Diskussionen sind schliesslich dazu da auch mal abzudriften

    quote:
    Ich habe einfach eine Allergie gegen allzu simple Erkl√§rungsmuster, und die momentane Anti-Amerikastimmung scheint mir oft auch aus einem Minderwertigkeitsgef√ľhl zu kommen.
    Oh ja, den Eindruck habe ich auch oft. Gerade deswegen finde ich Autoren interessant, die, aus dem entsprechenden Kulturkreis stammend, eine differenziertere Sichtweise darlegen. Kaum etwas ist spannender, als durch fundierte Argumentation Klischess und Vorurteile bestätigt oder widerlegt zu bekommen. Das Verhältnis USA-Europa ist da eine schier endlose Spielwiese

    quote:
    Gerade erst vorgestern Abend bei einer Party begann jemand ausf√ľhrlich zu erkl√§ren, dass der Mittelmeerraum eigentlich die Wiege der Kultur sei, und dass die USA ein grosses k√ľnstliches Disney-Land sei.
    hehe, und Elvis und Hitler leben ja eigentlich auch noch

    quote:
    findet ein unglaublicher Kulturimperialismus statt. Aber wessen Schuld ist das eigentlich? Niemand zwingt uns dazu, "Star Wars" im Kino anzusehen oder Levi's-Jeans zu kaufen.
    Ich halte diese Argumentation immer f√ľr etwas einseitig und gef√§hrlich, da die Gesetze der Marktwirtschaft negierend. Der Mensch neigt nunmal zur Bequemlichkeit, sprich er konsumiert das (in der Masse wohlgemerkt), was am leichtesten erreichbar ist. Die USA sind unbestrittener Weltmeister in der Selbstvermarktung, was impliziert, das sie den (unkritischen) Konsum ihrer eigenen Produkte so leicht wie m√∂glich machen. Und genau hier liegt imho das Problem, in der Unlust der meisten, ihr Konsumverhalten zu reflektieren.

    Klar, es ist anstrengender zu hinterfragen, wenn sich aber die Angebotsvielfalt durch aggressives marktpolitisches Verdrängungsverhalten eines Konzerns (Starbucks, Coke) einschränkt, wird zwar immer noch niemand dazu gezwungen diese Produkte zu konsumieren, es wird ihm aber wesentlich erschwert andere Produkte ebenso einfach und bequem zu erhalten.

    Interessanterweise scheint momentan das Marketing der amerikanischen Politik nicht so einwandfrei zu funktionieren, wie Naomi Klein ("No Logo") hier in einem Artikel in der SZ vom 6. Mai 2oo2 erläutert:

    Verraten und verkauft
    Der Fehlschlag der Marke „USA“: Wie die Vereinigten Staaten vergeblich versuchen, ihr Auftreten in der Welt wie ein Konsumprodukt zu vermarkten


    quote:
    Und die EU-Aussenminister sehnen sich nach nichts mehr, als so viel Einfluss in der Welt zu haben wie die USA.
    Das ist ja nur normal, immer schon wurde der Erfolgreiche von den anderen beneidet; und je mehr desto aggressiver versucht dieser auch seinen Stand zu halten. Das ist auf der weltpolitischen B√ľhne nicht anders als im Sandkasten

    [Editiert am 28.6.2002 von walt]

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