Startseite Alle Themen anzeigen Alle Artikel anzeigen Neuigkeiten aus der Filmwelt Schreib was! Top ten
Willkommen bei kino.lounge
   
  LogIn    
Hauptmen√ľ
· Home
· Suche

Inhalte
· Film-Kritiken
· Film-Bilder
· Film-Termine
· Film-Links

Community
· Forum
· G√§stebuch

ShoutBox
Login to post!

Wer ist im Chat
Foyer0 users

Mitglieder online


Du bist nicht angemeldet

0 member(s) online.
3 guest(s) online.

Letzte 10 Besucher
walt: 975 days ago
admin: 1819 days ago
JohFredersen: 5757 days ago
LoonaLovegood: 5831 days ago
nobudgetarts: 6150 days ago
DustyYS: 6180 days ago
philip23214: 6219 days ago
isaac23043: 6223 days ago
angel-of-night: 6234 days ago
chas22023: 6235 days ago

Umfrage:
KILL BILL ist f√ľr mich

· genial
· ganz gut
· mittelm√§ssig
· schlecht
Ergebnisse

Stimmen: 308

andere Umfragen

Filmtitel-Suche

auf der Internet Movie
Database, der weltweit
grössten Filmdatenbank

Filmkritik-Suche

auf der Movie Review
Query Engine, der
weltweit grössten
Datenbank f√ľr
Filmkritiken

Aktionen

Get a REAL Browser!

Boykottiere die Musikindustrie - kaufe keine CDs!

be aware of RFID

Rettet das Internet!

City of God

City of God(Cidade de deus)
Brasilien 2oo2
Regie: K√°tia Lund, Fernando Meirelles


Parameter: cool, dynamisch, sexy

Elegant s√§belt das Messer √ľber den Abziehstein, halbiert Limetten, hackt Chilis, schabt einem Federvieh die Gurgel blank, alles in H√∂llentempo geschnitten auf der Basslinie von Latinohiphop und unter lautem Gegacker von Huhn und hungrigen Halbstarken. Jedoch das bl√∂de Suppenhuhn entflieht in labyrinthische Gassen der Armensiedlung, von gr√∂lender Meute und gehetzter Kamera vor ein Auto gejagt flattert es zwischen die Reifen und irgendwie wieder drunter hervor. Da torkelt es nun, gerupft, benommen und am Leben. Zum Ende des Films wird es uns noch einmal begegnen.

Sp√§ter diese Szene: Die jugendlichen Bosse einer Drogengang rekrutieren Nachwuchs. Ein Kind wird gezwungen, ein anderes zu erschie√üen, eine H√§rteprobe. Schlimmer noch, es ist gezwungen, zwischen zwei anderen Kindern zu w√§hlen. Es kneift die Augen zu und erschie√üt das √§ltere, zum Am√ľsement der Umstehenden.

Perverserweise bangt es einen mehr ums Huhn als um den jungen M√∂rder und seine Opfer. √úber sie erf√§hrt man schlicht und ergreifend nichts mehr. "City of God" inszeniert beide Szenen gleicherma√üen episodisch, als Exempel √ľberhitzter Grausamkeit, H√∂hepunkte in einer Kette weiterer Exzesse. In den Favelas von Rio, so markiert der Film mit dieser Indifferenz, ist ein Menschenleben nichts wert - und mag damit recht haben. Da er Fiktion ist, d√ľrfte er auch Falsches behaupten, muss er keine Erkl√§rungen liefern und keine Wertung abgeben. Aber er muss zu erkennen geben, inwiefern jene Indifferenz narratives Bewusstsein aufweist, inwiefern sie nicht zur Willk√ľr, sondern zur Autorit√§t seines Erz√§hlens geh√∂rt.

Sein Bewusstsein jedoch h√§lt Regisseur Fernando Meirelles vor allem fixiert auf das, was in der Werbesprache Look hei√üt: die optisch-akustische Aufmotzung jenes ansteckenden Feelings, in dem wir - infiziert - das Produkt zugleich mitschlucken. Coolness, Dynamik und Sex sind in der Werbung Parameter, und cool, dynamisch, sexy inszeniert Meirelles seinen Anekdotenreigen √ľber eine Horde Rotzbengel, die w√§hrend der 60er aufwachsen in der Cidade de Deus, in den 70ern dann r√ľcksichtslos das Drogengesch√§ft an sich rei√üen und in den 80ern, paranoid geworden von Stoff und Gr√∂√üenwahn, ihren eigenen Untergang in t√∂dlichen Fehden besiegeln.

City of God

Die drei Dekaden erhalten eine jeweilige T√∂nung, das patinierte Orangebraun aus Kindertagen wird abgel√∂st durch hippiebunten Discoglamour und schlie√ülich ausgewaschen zum kalten Videoblau einer hysterischen Handkamera. An "Boogie Nights" erinnert diese effektreiche Stilakrobatik. Im Unterschied zu Paul Thomas Anderson jedoch l√§sst Mereilles kein einziges Mal durchblicken, dass er solch standardisiertes Zeitkolorit in Anf√ľhrungszeichen setzt. Seinerseits √ľberrumpelt von Feeling, verkauft "City of God" als Original, was lediglich Zitat sein kann, hierin folkloristischem Kunsthandwerk ununterscheidbar. Einfach gesagt, Mereilles will glauben machen, die Ereignisse, die er cool, dynamisch und sexy inszeniert, seien cool, dynamisch und sexy.

Das Verfahren wird, um darauf zur√ľckzukommen, in Mereilles Herumschnurren um den Gewaltkitzel besonders abgeschmackt. Einmal massakriert ein Zehnj√§hriger alle Stundenp√§rchen eines Stundenmotels, eine malerische Geburt des Abgrundb√∂sen. Sp√§ter wird ein M√§dchen vom Mob vergewaltigt, damit der Film ihren Freund als alttestamentarischen Racheengel etablieren kann. In diesen Episoden weidet sich "City of God" wenn nicht an der Tat, so an der Wirkung und die l√§sst sich auch als Nummernrevue erzielen: Ein exekutiertes Huhn, Kind, M√§dchen, Dealerschwein - Mereilles Indifferenz, man muss sie buchst√§blich √ľbersetzen als Gleichg√ľltigkeit gegen√ľber dem Thema, nicht als k√ľnstlerische Reflexion auf einen Zustand der Welt.

Noch in weiterer Hinsicht verf√§hrt der Film √§rgerlich. Das Drehbuch ist entwickelt aus einem Roman von Paulo Lins ("Cidade de Deus"), der die Geschichte der Barackensiedlung unter Aufwendung zahlloser Figuren und Ereignisse wiedergibt. Aus der Anekdotensammlung schiebt Mereilles den Werdegang einiger junger M√§nner in den Vordergrund, die Zeitspr√ľnge zwischen ihren biographischen Etappen sind in R√ľckblenden gestaffelt. Mit dem Ergebnis, dass Episoden, die nie als Stufen eines Entwicklungs- oder Erziehungsromans gedacht waren, in der Aufeinanderfolge nun krude psychologische Skizzen der Helden darstellen. Der Oberb√∂se ist urpl√∂tzlich liebesbed√ľrftig, der Edle korrupt bis auf die Knochen, der Verliebte dem Nebenbuhler gut Freund. Unlogik, die Mereilles in Kauf nimmt, damit's seifenopernm√§√üig menschelt.

Buscape

√úber dem Film liegt die Erz√§hlstimme von Buscap√©, der Photograph werden will. (In der deutschen Fassung eingesprochen von Xavier Naidoo. Danke.) F√ľr einen Regisseur nat√ľrlich verf√ľhrerisch: Mereilles macht ihn zur Identifikationsfigur. Buscap√© schleicht durch die Favela und verdient zum ersten Mal Lohn und Anerkennung mit seinen Schnappsch√ľssen, oft von Verbrechen. Er kommt nah ran, weil er sich auskennt, weil er dazugeh√∂rt. Doch im Moment, in dem ihm das Medium einen biographischen Ausweg er√∂ffnet, schiebt es sich auch schon zwischen ihn und die trostlose Wirklichkeit. Nichts schmeichelt der st√§rker, als ein gesch√∂ntes Portr√§t. Buscap√© erkennt das schnell und ist dabei ehrlicher als sein Film.

A propos ehrlich:

Die Vermarktungsstrategie des Films verweist auf die Echtheitssiegel seiner Romanvorlage, Laiendarsteller und Drehorte. F√ľr das Casting der Stra√üenbengel wurde eigens ein Theaterworkshop eingerichtet, zwar nicht in der Cidade de Deus, die Mafia wollte nicht mitspielen, aber nebenan immerhin. Regisseur Mereilles betont in Interviews, wie genau er den Darstellern auf's Maul geschaut habe und welche p√§dagogische Wirkung der Film auf die brasilianische Sozialpolitik habe. Stylish findet er sein Werk nicht.

Die Kritiken hingegen √ľberbieten sich in Vergleichen mit Scorsese und Tarantino und in Hymnen auf Mereilles' Stil. Selbst der sonst bedachte Guardian dreht durch: "A thriller so tense that you might have the red seat plush in front of you - or even some unfortunate's hair - gripped in both fists." Unser Misstrauen gegen Film teilt der kamera.co.uk-Kritiker: "City of God tries to blur the line between real life and fiction by using 'real people' from the 'real slum' where the action is set (..) and it does that with so much hunger that the result looks quite convincing, even though it's only a mirage."

Dieser Text erschien zuerst auf filmtext.com




Weitere Links zum Thema:


Mehr Kritiken zum Film auf Internet Movie Database Movie Review Query Engine Rotten Tomatoes


hinzugefŁgt: June 11th 2003
Autor: Urs Richter
Punkte:
zugehŲriger Link: Internet Movie Database (IMDb)
Hits: 15414
Sprache: deu

  

[ ZurŁck zur ‹bersicht | Kommentar schreiben ]

City of God
VerŲffentlicht von Anonymous am 2003-06-27 13:28:08
Meine Wertung:



>> "denn das, was der Bericht aussagt, deutet auf die Probleme, die der Autor mit dem Film hat"

Und was soll daran falsch sein? Darf man mit einem Film kein Problem haben?

City of God
VerŲffentlicht von walt am 2003-06-24 09:24:12
Meine Wertung:



Ich finde, dass diese Kritik den Film sehr gut beschreibt; aehnlich wie der Autor habe ich den Film auch erlebt.

City of God
VerŲffentlicht von Wildheart am 2003-06-23 23:53:01
Meine Wertung:



Ein "gl√§nzender" Bericht, der im Grunde √ľber den Film nichts aussagt, denn das, was der Bericht aussagt, deutet auf die Probleme, die der Autor mit dem Film hat - auf nichts mehr. Ich "liebe" solche Kritiken, denn sie sagen mehr √ľber den Verfasser, als √ľber den Film.


© 2oo1-2o14 by kinolounge.de Impressum Creative Commons Lizenz powered by PostNuke CMS