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American History X

American History XUSA 1998
Regie: Tony Kaye


Viel Wirbel gab es um den Film ĂŒber zwei BrĂŒder aus der amerikanischen Neo-Nazi-Szene schon, als Regisseur Tony Kaye seinen Namen nach Fertigstellung des Streifens zurĂŒckziehen wollte, weil Hauptdarsteller Edward Norton den Film anders geschnitten hatte, als Kaye sich das vorgestellt hatte.

Auch die Meinungen ĂŒber »American History X« gingen weit auseinander. Der »Spiegel« sah in dem Film zwar zwei gute Hauptdarsteller, »aber der psychologisierende Gestus des Films wirkt bieder und platt, die Gewaltszenen sind ĂŒberinszeniert«. (Keine Ahnung, von welchem Film der Autor hier spricht.) Der »Filmdienst« 4/1999 befĂŒrchtete gar, dass »der in seinen Absichten eindeutige Film [..] fĂŒr eine rechte Ideologie missbraucht werden« könne. (Ein Argument Ă€hnlich dem, dass, wenn in einem Film Gewalt dargestellt wird, allein dies schon ausreiche, um jemanden zur Gewalt zu verleiten.)

Inhalt
Der 16jĂ€hrige Skinhead Danny Vinyard (Edward Furlong) liefert seinem (jĂŒdischen) Lehrer Murray (Elliott Gould) eine Arbeit zum Thema Klassiker der Weltliteratur ab, in der er ĂŒber »Mein Kampf« von Adolf Hitler schreibt, um Murray zu provozieren. Danny wird zum (schwarzen) Schuldirektor Sweeney (Avery Brooks) zitiert, der ihn nicht in
Edward Furlong als Danny
Grund und Boden verurteilt, sondern ihn dazu zwingt, bis zum nĂ€chsten Tag einen Aufsatz ĂŒber seinen Bruder Derek Vinyard (Edward Norton) zu schreiben, der am selben Tag aus dem GefĂ€ngnis entlassen wird. Danny soll darĂŒber schreiben, warum Derek zum fĂŒhrenden Mitglied der rassistischen White-Power-Bewegung wurde und drei Jahre zuvor zwei junge schwarze MĂ€nner brutal ermordet hatte, weil sie sein Auto stehlen wollten, und warum Derek zu seinem eigenen, Dannys, Vorbild wurde. Danny ist inzwischen ebenfalls Mitglied des neonazistischen Kreises um den als biederen GeschĂ€ftsmann getarnten Cameron Alexander (Stacy Keach), der etliche Skinheads um sich geschart hat und Derek zum ideologischen AnfĂŒhrer ausgebildet hatte.

Doch als Derek an diesem Tag aus dem GefĂ€ngnis entlassen wird, wirkt er auf Danny ein, diesen Aufsatz auf jeden Fall bis zum nĂ€chsten Tag zu schreiben, und lobt Sweeney als einen hervorragenden Lehrer. Derek hat mit seinen frĂŒheren Auffassungen radikal gebrochen. Er sagt sich von der Neonazi-Szene los, bezeichnet deren Ideologie als bullshit, erklĂ€rt Cameron unumwunden, dass er nichts mehr mit ihm zu tun haben wolle und Alexander Danny in Ruhe lassen solle. Zudem versucht er, seiner in
Edward Furlong als Danny und Edward Norton als sein Bruder Derek
finanziellen Schwierigkeiten steckenden Familie – seiner kranken Mutter Doris (Beverly D’Angelo) und seiner Schwester Davina (Jennifer Lien) – zu helfen, will sich bemĂŒhen, seinen alten Job wieder zu bekommen.

»American History X« erzĂ€hlt diese zwei Tage im Leben von Derek, Danny und der Familie Vinyard in flashbacks, in denen der Entwicklung von Derek und Danny nachgegangen wird. Dazu gehört u.a., dass ihr Vater Dennis (William Russ), der selbst eindeutige faschistische Auffassungen vertrat, wĂ€hrend eines Einsatzes als Feuerwehrmann von Schwarzen ermordet worden war. Dazu gehört, dass Derek nach dem Mord in eine völlig andere Umgebung gerĂ€t, in ein GefĂ€ngnis, also einem Ort, in dem er und alle anderen sich einer anderen Ordnung unterwerfen mĂŒssen als »draußen«, einem Ort zudem, wo vor allem Schwarze einsitzen. Derek lernt einen von ihnen, Lamont (Guy Torry) kennen, der unbefangen mit Derek vor allem wĂ€hrend der Arbeit in der WĂ€scherei spricht, und im Laufe der Zeit werden Derek und Lamont Freunde.

Als Derek entlassen wird, gilt seine Hauptsorge seinem Bruder ...

Inszenierung
Die Geschichte, die »American History X« erzĂ€hlt, ist erfunden. Die UmstĂ€nde, die der Film zeigt, sind realistisch. Drehbuchautor McKenna stĂŒtzte sich bei seinen Recherchen zum einen auf die Erlebnisse eines Greg Withrow, der sich 1979 mit seiner »White Students Union« der »White Aryan Resistance« des ehemaligen Ku-Klux-Klan-FĂŒhrers Tom Metzger angeschlossen hatte, sich spĂ€ter aus der Szene absetzte und ein Buch ĂŒber diese Zeit schrieb. Zum anderen ermittelte McKenna, der in unmittelbarer NĂ€he der Punkszene in Los Angeles aufgewachsen war, direkt in der Szene. Auch an dem Ort, an dem der Film spielt, ein Vorort von Los Angeles, Venice Beach, sind Rassenkonflikte an der Tagesordnung.

Der Wechsel der Zeitperspektiven in »American History X« soll den Wandel veranschaulichen, den Derek innerhalb der drei Jahre GefĂ€ngnis durchgemacht hat. Die RĂŒckblenden sind nicht nur in Schwarz-Weiß gehalten; sie vermitteln auch die Geschichte Dereks und Dannys aus ihrer Weltsicht. Die Bilder der RĂŒckblenden sind von Gewalt, klar strukturierten Hierarchien (auch innerhalb der Familie Vinyard, in der die Frauen wenig bis nichts zu sagen haben) und langen Sequenzen beherrscht, in denen die Essentials der
vo.li.: Edward Norton als Derek, Beverly D’Angelo als Mutter Doris, Edward Furlong als Danny
rassistischen Ideologie in Dialogen ausgebreitet werden. Eben diese RĂŒckblenden haben dem Film die Kritik eingehandelt, er könne von Skinheads und anderen Neonazis fĂŒr sich verwendet werden. TatsĂ€chlich haben Jugendliche aus dem rechten Milieu versucht, den Film fĂŒr sich zu vereinnahmen. Das hat seinen Grund vielleicht auch darin, dass den ausgebreiteten Argumenten der Szene keine Gegenargumentation gegenĂŒbergestellt wird. Im Gegenteil: In einer Szene ist der jĂŒdische Lehrer Murray zu Gast bei der Familie Vinyard. Im »GesprĂ€ch« mit Derek haben Murrays Argumente keinen Stich.

Doch diese Dramaturgie spricht nicht gegen den Film, sondern gegen die Meinung, man könne den rechten ArgumentationsstrĂ€ngen allein mit alternativen Argumentationen, also mit AufklĂ€rung, entgegenwirken. Edward Norton, der sehr viel persönliches Engagement in den Film investierte, Ă€ußerte in einem Interview mit der »SĂŒddeutschen Zeitung« am 26.2.1999 u.a.:

»Ich habe viel Zeit mit ehemaligen Neonazis verbracht. Dabei habe ich gemerkt, dass ihr Sinneswandel nicht intellektuell, sondern emotional gesteuert ist.« (Im Film wird dies u.a. besonders deutlich an der Figur des Seth, gespielt von Ethan Suplee). »Ich will ja nicht unhöflich sein, aber in Deutschland scheinen die Leute das immer auf eine ganze rationale Entwicklung zu reduzieren, als sei das ganz und gar vernunftgesteuert. Meiner Erfahrung nach ist das niemals der Fall.«

Vieles in diese Richtung macht der Film sichtbar. Die Mordszene etwa – so grausam sie ist – verdeutlicht die emotionsgesteuerte Handlungsweise, andererseits
Szenenbild
aber auch der Aufbau der Beziehung Dereks zu Lamont unter den besonderen Bedingungen des GefĂ€ngnisses, ebenso das »StreitgesprĂ€ch« zwischen Derek und Murray, das letztlich gar kein GesprĂ€ch ist, sondern von Dereks Seite aus eine verbal ausgetragene Entladung von Emotionen. Gewalt entsteht aus Frustration, Frustration entsteht aus WĂŒnschen.

Als Derek nach dem Mord an den jungen Schwarzen von der Polizei gestellt wird, lĂ€chelt er ĂŒberlegen. Er weiß, dass er wegen dieser Tat ins GefĂ€ngnis kommt, aber er fĂŒhlt sich als Sieger. Ein Polizist hĂ€lt mit der Waffe auf ihn, fordert ihn auf, die HĂ€nde ĂŒber dem Kopf zu verschrĂ€nken, auf die Knie zu gehen, um ihm Handschellen anzulegen und ihn abzufĂŒhren. Aus Sicht der Polizei ist dies nichts anderes als der regulĂ€re Ablauf einer Festnahme eines TatverdĂ€chtigen, also eine Niederlage fĂŒr den in diesem Fall kurz
Szenenbild
nach der Tat gefassten StraftĂ€ter. FĂŒr Derek ist es ein Sieg (zumal sein Bruder spĂ€ter behaupten wird, Derek habe aus Notwehr gehandelt, so dass er nur zu drei Jahren verurteilt wird, wĂ€hrend sein schwarzer Mitgefangener Lamont wegen eines Diebstahls fĂŒr sechs Jahre ins GefĂ€ngnis muss: ein deutlicher Seitenhieb auf die Justiz). Aus Dereks Sicht hat das auf seinem Herzen (!) eintĂ€towierte Hakenkreuz dem »Abschaum« einen schweren Schlag versetzt. Der Mord ist ein Mord aus Rachelust, aus Emotion, aus Wut, aus dem Bauch heraus, kein Raubmord, eher einem Mord aus Eifersucht Ă€hnlich. Die Szene wird ĂŒberwiegend aus der Sicht Dereks geschildert – in Gestik, Mimik, in der ganzen emotional gesteuerten GewaltmentalitĂ€t.

Parallel dazu die Szene des »GesprĂ€chs« mit Murray: Hier beweist Derek, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein, dass die Argumente fĂŒr seinen Hass auf die Schwarzen, Latinos usw. direkt ihn selber und seine Handlungsweise steuern. »Diskutiert« wird u.a. der Fall des Schwarzen Rodney King, der am 3.3.1991 in Los Angeles mit seinem Auto zu schnell gefahren und von Polizisten nach einer Verfolgungsjagd gestoppt worden war. King wurde so schwer geprĂŒgelt, dass er mit elf KnochenbrĂŒchen, einer GehirnerschĂŒtterung und einem Nierenriss ins Krankenhaus gebracht werden musste. Ein zufĂ€lliger Zeuge des Geschehens hatte dies zum großen Teil auf Video aufgenommen und damit die Aussagen der vier beteiligten Polizisten widerlegt. Ein Jahr spĂ€ter wurden alle vier trotzdem von einer ausschließlich mit Weißen besetzten Jury freigesprochen. Folge: eine sechstĂ€gige Welle der Gewalt in Los Angeles, 54 Tote, 2.383 Verletzte und SachschĂ€den in Höhe von 1,4 Mrd. DM.

Derek nimmt diese VorfĂ€lle zum Anlass, u.a. folgendes zu sagen: »Quatsch, das glaube ich keine Sekunde. Ihr nennt die AufstĂ€nde einen irrationalen Wutausbruch? Das ist reine Feigheit, das ist Opportunismus in seiner schlimmsten Form. Es gibt eben Leute, die nehmen jede Entschuldigung fĂŒr sich in Anspruch, um zu plĂŒndern, weiter nichts. Und die Tatsache, dass die Leute die GeschĂ€fte in ihrem eigenen Viertel plĂŒndern, all das beweist doch nur eindeutig: Die haben absolut keine Achtung vor dem Gesetz und noch weniger so was wie einen Begriff von GemeinschaftsgefĂŒhl oder staatsbĂŒrgerlicher Verantwortung.« Genau diese EinschĂ€tzung aber trifft auf Derek und seine Gesinnungsgenossen zu, die einen Supermarkt ĂŒberfallen, in dem vor allem Schwarze einkaufen und arbeiten, und dort die Anwesenden zusammenschlagen und demĂŒtigen und die Einrichtung und die Waren zerstören. Und erst recht auf Dereks eigene Tat: den Mord.

Kontrastiert wird dies spĂ€ter mit den Szenen, in denen Derek in Kontakt mit Lamont gerĂ€t. Dessen Redseligkeit, Unvoreingenommenheit und sympathische Art fĂŒhren langsam, aber fast schon sicher zum Aufbau einer emotionalen Beziehung zwischen beiden. Hinzu kommt aber ein anderer wichtiger biografischer Aspekt. Als Danny seinen
Guy Torry als Lamont und Edward Norton als Derek im GefÀngnis
Aufsatz schreibt, tippt er in den Computer: »Es ist schwer zurĂŒckzublicken und die Wahrheit zu erkennen ĂŒber Menschen, die man liebt. Ich glaube, wenn man Derek fragt, warum alles so gekommen ist und wann es angefangen hat, wĂŒrde er immer noch sagen: als unser Vater ermordet wurde. Aber in Wahrheit fing es frĂŒher an.« Dann schildert eine RĂŒckblende ein GesprĂ€ch in der Familie, als Derek erzĂ€hlt, dass der (schwarze) Lehrer Sweeney, der ihm Ă€ußerst sympathisch ist, eine Klausur ĂŒber ein Buch schreiben lĂ€sst, in dem es um die Geschichte eines Schwarzen geht. »[...] der Lehrer ist etwas Besonderes, Dr. Sweeney. Der Kerl ist absolut unglaublich, absolut Spitze. Ich hatte noch nie so ‘nen Lehrer.« Doch Dereks Vater bringt ihn durch seine Vorurteile und seine AutoritĂ€t als Familienoberhaupt dazu, an Sweeney zu zweifeln. Derek: »[...] der macht einen so starken Eindruck, dass es schwer ist, nicht zuzuhören. Na ja, manches was er sagt, das ist vielleicht ...« Vater: »... das ist Blödsinn ...« Derek: »Ja ... vielleicht manchmal ...« Vater: »Nein, nein, es ist Nigger-Blödsinn ... das verstehst du, oder?« Derek: »Ja.« Vater: »Auf so was musst du aufpassen ...« Derek: »... ja, verstehe! Ich weiß, was du meinst, das mach’ ich.« Vater: »Braver Junge! Bin stolz auf dich!« Derek: »Ja, ich weiß Bescheid, keine Sorge.«

Vater Vinyard erledigt in seiner Rolle als Familienoberhaupt, als von Derek geliebter Vater die Sympathie zu Sweeney und dessen AutoritĂ€t. Als der Vater spĂ€ter von Schwarzen ermordet wird, ĂŒberlagert der Hass jegliche Sympathie und emotionale NĂ€he zu Sweeney. Doch im GefĂ€ngnis, als er mit Lamont »warm« wird, erinnert er sich wieder an Sweeney, der ihn dort auch besucht, nachdem Derek von rechtsradikalen Gefangenen schwer misshandelt wurde, weil sie nicht akzeptieren wollten, dass er mit Schwarzen Basketball spielt.

In der im Film dargestellten Entwicklung Dereks sehen einige Filmkritiker eine unerklÀrte Wandlung vom »Saulus zum Paulus«. Genau damit geben sie sich aber einer Auffassung hin, die besagt, dass der rechtsradikalen
Edward Norton als Derek  beim Basketballspiel im GefÀngnis
MentalitĂ€t mit einer Mischung aus gut ausgeklĂŒgelten Argumentationsketten und (rechtsstaatlicher) HĂ€rte – sozusagen mit Zuckerbrot und Peitsch – zu begegnen wĂ€re. Beispiel: »Warum [..] ein einzelner schwarzer MithĂ€ftling [...] den Nazi Derek in einen GelĂ€uterten zu verwandeln vermag« (eine nach allem falsche Annahme!), »kann ›American History X‹ nicht erklĂ€ren« (doch, der Film deutete es mehr als an!). »Da bricht zu jĂ€h ein versöhnender Humanismus durch« (falsch!), »von dem zuvor behauptet wurde, das er keine Überlebenschancen habe« (ich wĂŒsste nicht, wo das behauptet worden sei). Der Film erliege »der Faszination durch Gewalt« (Unsinn!) »und beschwört Demagogien, ohne die Distanz zum Geschilderten mit mehr als ein paar emotionalen DrĂŒckern und moralisierenden ErzĂ€hltönen« (??) »aus dem Off glaubhaft zu machen« (Robert von Rimscha in: »Tagesspiegel« vom 13.11.1998). Solche EinschĂ€tzungen lassen mehr RĂŒckschlĂŒsse auf die Verfasser als auf den Film zu.

Man weiß heute – um es einmal von dieser Seite zu betrachten –, das Intelligenz sich nicht auf die FĂ€higkeit zu »logischen Operationen« beschrĂ€nkt; man kann auch sagen: er kann nicht in ausreichendem Maße differenzieren. Zur Intelligenz gehören eine logische, eine emotionale und eine soziale Seite, die zwar analytisch, aber nicht lebens-praktisch zu trennen sind.

Derek ist ein Mensch, der seine logische Intelligenz auf »VersatzstĂŒcke« der RealitĂ€t beschrĂ€nkt, weil er seine emotionale Intelligenz auf die Verteidigung seiner Familie begrenzt, d.h. nicht fĂ€hig ist, seine soziale Intelligenz ĂŒber den »Tellerrand« des eigenen Umfelds hinaus zu »steuern«. Anders formuliert: Es geht um Raum und dessen Verteidigung. Welche Ereignisse im
Edward Furlong als Danny und Edward Norton als sein Bruder Derek
einzelnen (Vater schon rechtsradikal, Mord an Vater, Kampf um Raum im Lebensumfeld) auch zu Dereks Einstellung gefĂŒhrt haben mögen, der Film gibt Anhaltspunkte dafĂŒr, dass es keine Trennung von Logik (Vernunft, Verstand), Emotion (wozu auch EinfĂŒhlungsvermögen zĂ€hlt) und »Denken im sozialem Raum« gibt, sondern solche Dissoziationen »erlernt« sind. Ideologie ist vor allem Ausdruck und Ergebnis rĂ€umlicher Trennung im Sinne von Feindbild-gesteuerter Abtrennung des »eigenen« Raums von »fremden« RĂ€umen, nicht so sehr im Sinne geografischer, sondern im Sinn von RĂ€umen des Lebens. Diese Dissoziation ist emotional gesteuert. Der Vater drĂŒckt seinen Stolz aus, als Derek verspricht, auf den »Nigger-Blödsinn« nicht zu hören. Dieser Stolz kehrt spĂ€ter wieder, als Derek Murray anbrĂŒllt: »Soll ich etwa noch lĂ€chelnd dabeisitzen, wenn so ein Scheiß-Itzik versucht, meine Mutter zu ficken?« Und zu seiner Mutter: »... du widerst mich an ... du machst dich zurecht wie eine Nutte ... wie kannst du es wagen, so was [gemeint ist Murray] an den Tisch meines Vaters (!) zu bringen?«

Der Schluss des Films ist offen und soll zugleich vermitteln, dass man seiner Vergangenheit und der Verantwortung fĂŒr das eigene Tun nicht entkommen kann. Offen bleibt und soll bleiben, wie Derek auf den Tod seines Bruders Danny reagieren wird.

Fazit
»American History X« ist ein Film ĂŒber die rechtsradikale Szene in den USA, nicht ĂŒber vergleichbare, aber in vielem auch traditionell bedingt unterschiedliche Erscheinungen in Deutschland. Der Film ist vor allem anderen eines: Ein Projekt, das dem Problem nahe kommen will, und
Edward Furlong als Danny
ein Dokument, das viel zum Nachdenken anregt und zu Diskussionen Anlass gibt. Nicht umsonst wird er fĂŒr den Schulunterricht empfohlen. Ich halte die filmische »Selbstdarstellung« der rechtsradikalen MentalitĂ€t nicht fĂŒr eine SchwĂ€che, sondern fĂŒr eine StĂ€rke des Films. Diejenigen, die das kritisieren, mĂŒssen sich fragen lassen, ob es vielleicht Ängste und BerĂŒhrungsĂ€ngste sind, die sie zu einer solchen Beurteilung veranlassen. Insbesondere die Figur des Dr. Sweeney im Film veranschaulicht deutlich, wie schwer es ist, mit Menschen solcher MentalitĂ€t zu begegnen. Sweeney verhĂ€lt sich Derek und Danny gegenĂŒber nicht feindselig, setzt ihnen aber trotzdem klare Grenzen und hilft Derek im GefĂ€ngnis nicht bedingungslos. Es gibt keine Sicherheit fĂŒr »Umkehr«; das weiß Sweeney. Doch er lĂ€sst nicht locker. Wenn es – was der Film nahe legt – heißt, Rassismus sei »erlernt« und könne deshalb auch wieder »verlernt« werden, so sollte man den Begriff »Lernen« nicht einseitig auf die logische Seite der Intelligenz begrenzen.

Danke fĂŒr die Geduld beim lesen. Aber ich konnte es nicht kĂŒrzer machen.

Weitere interessante Informationen u.a. im Filmheft von Holger Tewe im Auftrag der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung und des Instituts fĂŒr Kino und Filmkultur: www.kino-gegen-gewalt.de Unter dieser Adresse kann das Filmheft als PDF-Datei (1,35 MB) herunter geladen werden (28 Seiten)

© Ulrich Behrens 2002 - veröffentlicht zuerst in: www.ciao.com (unter dem Mitgliedsnamen Posdole)


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hinzugefügt: July 11th 2002
Autor: Ulrich Behrens
Punkte:
zugehöriger Link: Internet Movie Database (IMDb)
Hits: 246227
Sprache: deu

  

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American History X
Veröffentlicht von Anonymous am 2006-03-12 22:15:28
Meine Wertung:



i loved this film!!!!!!!!!!!!!!!!!!! (i don''t speak german)

American History X
Veröffentlicht von Anonymous am 2006-02-16 20:46:04
Meine Wertung:



Einfach gut der Film

American History X
Veröffentlicht von Anonymous am 2006-01-20 18:01:21
Meine Wertung:



Der Film ist einfach super!!! Umbedingt anschauen!! Tolle Schauspieler, interessante Story. Nur das Ende ist ein bisschen traurig...

American History X
Veröffentlicht von Anonymous am 2006-01-08 18:34:09
Meine Wertung:



dieser film ist echt das geilste im bezug zu nazis!!!!!!


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