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Kill Bill Vol. 1

Kill Bill Vol. 1Usa, Japan 2003
Regie: Quentin Tarantino


Chicks with Swords – Kill Bill Vol. 1 von Quentin Tarantino

Endlich, endlich, endlich. Nach sechs langen Jahren des Wartens beschenkt uns Quentin Tarantino wieder mit einem neuen Film. Der Mann, der mit Pulp Fiction ganz Hollywood umgekrempelt hat, meldet sich zur√ľck, und nat√ľrlich sind die Erwartungen aber auch die Skepsis gross. Mit seinem zweiten Film hatte Tarantino nicht nur das Studiosystem auf den Kopf gestellt und den Independents den Weg gebahnt, sein Gangster-Opus ver√§nderte auch die Art und Weise, wie man in Hollywood Dialoge schreibt und mit Gewalt umgeht. Kaum ein Regisseur, der so schnell zum Kultregisseur avancierte und sogar mit einem eigenen Adjektiv bedacht wurde – wenn auch niemand so recht weiss, was unter dem omin√∂sen tarantinoesk genau zu verstehen ist.

Jackie Brown, der unmittelbare Nachfolger zu Pulp Fiction, war bei Erscheinen ein wenig untergegangen, der Blaxploitation-Remix war f√ľr das breite Publikum, das einen weiteren Kracher √† la Pulp Fiction erwartete, wohl eine Spur zu leise und zu sehr auf die Figuren konzentriert. Danach herrschte auf einmal Funkstille; Tarantino zog sich zur√ľck, um zu schreiben, und die Filmwelt begann zu r√§tseln, was von dem ehemaligen Videothekar wohl noch zu erwarten sei. Und nun also Kill Bill. Eigentlich h√§tte der Film schon viel fr√ľher fertig sein sollen, doch Uma Thurman, der Tarantino das Drehbuch auf den Leib geschrieben hat, wurde schwanger; der Drehbeginn verschob sich um ein volles Jahr. W√§hrend der Dreharbeiten zeigte sich, dass sich Tarantino und seine Produktionsfirma Miramax verkalkuliert hatten: Der Film wurde viel l√§nger und teurer als geplant. Doch Miramax-Chef Harvey Weinstein, ansonsten daf√ľr bekannt, Filme gegen den Willen des Regisseurs gnadenlos umzuschneiden, erinnerte sich wohl daran, dass seine Firma ohne Pulp Fiction kaum ihre heutige Macht bes√§sse, und liess Tarantino gew√§hren. Einzige Konzession: Der Film erscheint in zwei Teilen, was f√ľr den Produzenten doppelte Kasse bedeutet.

Uma Thurman als The Bride in Kill Bill Volume 1
Uma Thurman als The Bride in Kill Bill Volume 1

Was ist nun rausgekommen nach all dem Warten? Taugt Kill Bill was? Um es gleich vorwegzunehmen: Tarantino hat keinen zweiten Pulp Fiction und schon gar keinen Jackie Brown abgeliefert. Kill Bill ist anders als alles, was hierzulande bislang auf der grossen Leinwand zu sehen war. Tarantino selbst meint, dass Kill Bill ein Film w√§re, wie ihn sich die Protagonisten seiner fr√ľheren Filme gerne anschauen w√ľrden. Zur Erinnerung: True Romance, dessen Drehbuch aus Tarantinos Feder stammt, beginnt damit, wie sich die Hauptfigur Clarence im Kino ein Streetfighter-Tripple Feature reinzieht, und der Waffenh√§nder Ordell aus Jackie Brown schaut sich am liebsten einen Video aus der Reihe Chicks with Guns an. Kombiniert man diese beiden Filme miteinander, ist man Kill Bill schon recht nahe.

Die Geschichte – sofern man hier noch von Geschichte sprechen kann – ist von ergreifender Schlichtheit: Die von Thurman verk√∂rperte Hauptfigur, die einfach „The Bride“ heisst, wird an ihrer Hochzeit von einem Killer-Kommando, dem sie selbst einmal angeh√∂rte, niedergem√§ht; inklusive Ehemann, ungeborenem Kind und Hochzeitgesellschaft. Vier Jahre sp√§ter erwacht sie aus dem Koma und hat nur eines im Sinn: Rache. Was folgt, ist eine einzige Gewaltorgie.

Daryl Hannah als Elle Driver in Kill Bill Volume 1
Daryl Hannah als Elle Driver in Kill Bill Volume 1

Tarantino ist nicht nur ein talentierter Regisseur, Kino ist f√ľr ihn das eigentliche Leben; er denkt, atmet, tr√§umt und ist Kino, und sein j√ľngster Film ist ein Kind dieser Leidenschaft. Kill Bill koppelt sich von allem ab, was man irgendwie mit Realismus oder der Welt, in der wir leben, verbinden k√∂nnte. Der Film hat keine sinnvolle Geschichte, noch nicht einmal interessante Figuren, sein Zentrum ist das Kino und nur das Kino. Deshalb ist auch Entr√ľstung √ľber die masslose Gewalt vollkommen unangebracht. Die Blutfont√§nen und abgehackten Gliedmassen, die Thurmans Weg s√§umen, wirken in ihrer masslosen √úbertriebenheit nur noch grotesk, mit wirklicher Gewalt hat das nichts mehr zu tun. Hier geht es nur noch um cineastische – und kinetische – Energie. Der Film t√ľrmt ein visuelles Glanzst√ľck aufs andere und strotzt nur so von filmischen Anspielungen und Bravourst√ľcken. Als Beispiel sei das grosse Showdown im House of Blue Leaves erw√§hnt, wo die Braut auf eine Hundertschaft von Yakuza-Killern trifft. Thurman schl√§gt Saltos, wirbelt mit ihrem Schwert und halbiert ihre Gegner gleich im Multipack. Da pl√∂tzlich: Grossaufnahme auf ihre Augen, und schon geht's in Schwarzweiss weiter. Einen tieferen Sinn hat das nicht, Tarantino zeigt nur, dass er's auch ohne Farbe kann. Wieder Grossaufnahme, und die Farbe ist wieder da. Kurz darauf geht – wieder ohne Grund – das Licht aus, und aus den K√§mpfern werden scherenschnittartige Silhoutten vor einem tiefblauen Hintergrund. Der Schlusskampf mit der fiesen Cottonmouth (Lucy Liu) findet wohl nur deshalb im Freien statt, weil sich Blut so gut auf Schnee macht.

Chiaki Kuriyama als Go Go Yubari in Kill Bill Volume 1
Chiaki Kuriyama als Go Go Yubari in Kill Bill Volume 1

Mit seinem j√ľngsten Film treibt Tarantino die filmische Selbstreflexivit√§t auf die Spitze. Kill Bill ist Kino ohne Sinn, reines l'art pour l'art, Kino-Kino. In dem Film ist alles drin; ob Spaghetti-Western, Nancy Sinatra, billiger Splatter-Trash, Godard oder asiatische Martial Arts-Filme. Wahrscheinlich gibt es nur wenige Menschen, die ein √§hnlich umfassendes Filmwissen haben wie Tarantino, entsprechend wenig Zuschauer werden all die Anspielungen und Zitate erkennen, die der Regisseur in seiner filmischen Schlachtplatte untergebracht hat. Man kann das positiv auslegen und zum Schluss gelangen, dass Tarantino der erste wirklich postmoderne Regisseur ist. Bei ihm gibt es endg√ľltig keinen Unterschied mehr zwischen Kunst und Ramsch, muss Kino nur noch und ausschliesslich sich selbst gen√ľgen. Falls dies tats√§chlich der Tarantinos Anspruch ist, wird er ihm sicher gerecht und √ľbetrifft darin auch Kollegen wie Lynch, die Wachowskis oder die Coens. Vielleicht ist Kill Bill ja der erste reine Film, dessen einziges Thema nur noch das Kino ist; vielleicht ist das aber auch gar kein Film mehr, sondern nur noch ein Showcase f√ľr einen ausgerasteten Filmfanatiker.

In gewissem Sinne ist Tarantino ein altmodischer Regisseur. Dem digitalen Kino im Stile von Matrix kann er wenig abgewinnen. In Kill Bill ist alles gute alte „analoge“ Tricktechnik. Das Blut ist zwar auch nicht echt, aber wenn es spritzt, werden wenigstens die Kleider dreckig. Film ist f√ľr Meister Quentin eine physische Angelegenheit, etwas, das man mit Herz und Seele leben muss. Mit seinem j√ľngsten Film empfiehlt sich der Regisseur als brillianter Kinohandwerker, als wahrer Meister der filmischen Trickkiste. Das ist sehr eindr√ľcklich und f√ľr nicht allzu zartbesaitete Naturen auch unterhaltsam, letztlich aber auch ein bisschen √ľberfl√ľssig. Dass Tarantino sein Metier beherrscht, haben wir auch schon vorher gewusst.



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hinzugefŁgt: October 20th 2003
Autor: Simon Spiegel
Punkte:
zugehŲriger Link: IMDb (Internet Movie Database)
Hits: 24173
Sprache: deu

  

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Kill Bill Vol. 1
VerŲffentlicht von Anonymous am 2003-11-30 14:15:04
Meine Wertung:



Ein Nutzer auf amazon.com schrieb:
"The result is less than watching those classic Kung Fu movies on shuffle in a five disc DVD player. Just because you can, doesn''t mean you should. Tarantino can, he did, and he shouldn''t have." - that''s it!


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